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Predigttext:

„Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. Meine Brüder und Schwestern, ich schätze mich selbst nicht so ein, dass ich's ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus. Wie viele nun von uns vollkommen sind, die lasst uns so gesinnt sein. Und solltet ihr in einem Stück anders denken, so wird euch Gott auch das offenbaren. Nur, was wir schon erreicht haben, darin lasst uns auch leben. Ahmt mit mir Christus nach, Brüder und Schwester, und seht auf die, die so wandeln, wie ihr uns zum Vorbild habt. Denn viele wandeln so, dass ich euch oft von ihnen gesagt habe, nun aber sage ich's auch unter Tränen: Sie sind die Feinde des Kreuzes Christi.“ (Philipper 3,12-18)


„Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist…“ (3,13). Das schreibt Saulus, der zum Paulus wird. Sicherlich hat er sein „Damaskuserlebnis“, bei dem ihm Jesus Christus sehr eindrücklich erschien, nicht vergessen können. Für ihn begann ein neues Leben. „Neues ist geworden“, so bezeugt es der Apostel aus eigener Erfahrung (2. Kor. 5,17). 

Nun hat jeder seine eigene Geschichte. Meine ist nicht vergleichbar mit der des Paulus. Doch eins betrifft uns alle gleichermaßen: Wir befinden uns auf dem Weg – unserem Lebensweg. Natürlich gehen wir auf diesem Weg nach vorn. Doch es liegt eben auch eine Wegstrecke hinter uns. Wir sind geworden, was wir sind. Auch unser Glaube ist geprägt worden. Vieles mag uns bewusst sein - so manche Ereignisse, an die wir gerne zurückdenken. Erlebnisse mit Gott. Der Tag, an dem wir unser Leben Jesus anvertraut haben....  Man sagt, dass die Erinnerung in goldenen Farben malt! Es gibt aber auch Tage, die wir am liebsten aus dem Gedächtnis streichen möchten. Ich denke im Blick auf Paulus an die Zeit, als er noch von einem religiösen Fanatismus getrieben wurde und alles daran setzte, die immer zahlreicher werdenden Anhänger des christlichen Glaubens auszurotten. So etwas kann man doch nicht vergessen, oder?! Vergeben – vielleicht. Aber vergessen?! 

Auch ich werde manches aus meiner Vergangenheit niemals wieder vergessen. Es gibt Dinge, die brennen sich in unsere Köpfe und Herzen richtig ein. Und - von Zeit zu Zeit wird man immer wieder einmal daran erinnert…

Was heißt also: „Ich vergesse, was dahinten ist.“ - wie es im Philipperbrief steht?


Vergessen heißt nicht verdrängen! 

Wir können versuchen zu verdrängen, was hinter uns liegt. Doch es wird uns immer wieder einholen - vielleicht nach vielen Jahren! Es gibt Dinge, die wir unter Verschluss halten. Vor gewissen Bereichen in unserem Innersten hängt vielleicht schon seit Langem ein Vorhängeschloss. Damit kann man ganz gut leben. Andere bekommen das meist gar nicht zu sehen. Du kannst damit im Laufe des Lebens vielleicht sogar den einen oder anderen Siegespreis gewinnen. Doch das kostet natürlich viel mehr Kraft, als wenn man befreit loslaufen könnte. Was aber unterscheidet den Wunsch zu vergessen, von der Absicht zu verdrängen?
Ich habe in Bezug auf diese Frage eine interessante Entdeckung gemacht. Die Wurzel des hebräischen Wortes (Schakach) mit der Bedeutung „vergessen“ kommt auch im Aramäischen vor. Dort aber hat dasselbe Wort die Bedeutung „finden“ … im Sinne von „etwas durch Nachforschen oder ausfindig machen“.

Solange ich also nicht herausfinde, was hinter mir liegt und mich daran hindert, unbeschwert und fröhlich nach vorn zu gehen, werde ich nicht vergessen können. Erst in dem Moment, wo ich ausfindig mache und mir bewusst wird, was mich von der Vergangenheit her belastet, kann ich getrost vergessen … ohne zu verdrängen.“


Wenn du das Gefühl hast, dass du auf deinem Lebensweg nicht weiterkommst, wirst du nicht umhinkommen, nach Ursachen zu forschen, die dich daran hindern. Das kann mühsam und schmerzhaft sein.. Aber - nur indem ich herausfinde, was hinter mir liegt, kann ich vergessen, was hinter mir liegt. Im Bild gesprochen: Solange du den Schlüssel zu diesem Vorhängeschloss suchst, um es endlich zu öffnen, wird dich der Gedanke an den Schlüssel nicht loslassen. Erst indem du den Schlüssel zu den verschlossenen oder verdrängten Bereichen deiner Vergangenheit ausfindig machst, kannst du das Schloss öffnen, und die quälende Suche nach dem Schlüssel ist vergessen. Endlich kannst du befreit loslaufen! 


Vergessen und vergeben gehören zusammen! 

Im Glauben an Jesus Christus haben wir verinnerlicht, dass Vergebung grundsätzlich immer möglich ist. Selbst wenn man niemals vergessen kann, was geschehen ist, können wir durch die Kraft des Heiligen Geistes vergeben. Die Voraussetzung dafür ist das Bewusstsein, wer an dir schuldig geworden ist! Oder dein Gewissen belastet dich selbst vielleicht… Ich kenne Christen, die sich selbst nicht vergeben können. 

Paulus sagt ja, dass wir uns an ihm ein Beispiel nehmen sollen. Das ist schon vorbildlich, wie er mit seiner Schuld umgeht. Er hat das, was er getan hat, niemals beschönigt oder verharmlost. Paulus hat seine Vergangenheit nicht verdrängt. Er hat offen darüber gesprochen. Ich weiß nicht, ob es euch aufgefallen ist: Beim Schreiben des Briefes an die Philipper kommen Paulus plötzlich Tränen. Es berührt ihn emotional, was Jesus Christus am Kreuz für ihn getan hat. Und es macht ihn zutiefst traurig, wenn sich da einige Christen nennen, aber sie im Grunde – so wörtlich – „Feinde des Kreuzes Jesu Christi“ sind. Seine Wahrnehmung ist die, dass das, was Jesus am Kreuz für uns erlitten hat, für viele gar nicht relevant ist. Sie kennen das Evangelium. Sie wissen alles. Aber in ihrem Leben ist überhaupt keine Veränderung zu erkennen. Es fehlt an der Bereitschaft, alles aufs Spiel zu setzen. Paulus gebraucht in diesem Zusammenhang ja Bilder aus der Welt des Sports. Um aktiv zu sein, brauchst du vor allem eine starke innere Motivation. Die Botschaft vom Kreuz ist für Paulus der entscheidende Motor, das alte Leben hinter sich zu lassen. Und ich bin davon überzeugt, dass die Erfahrung der Vergebung der Schlüssel ist. 

Paulus wusste, was Vergebung heißt. Darum hatte er nur noch ein Ziel. Er wollte verwandelt werden – bis hin zur Vollkommenheit. Er hatte dabei immer auch die Herrlichkeit bei Gott vor Augen. Das Ziel der Vollkommenheit hat ihn Zeit seines Lebens schon motiviert.

Es gibt in diesem Abschnitt hier im Philipperbrief einen Satz, der uns ganz stark herausfordert. Ich meine Vers 15: „Wir alle, die wir vollkommen sind, wollen uns so verhalten“ - so wie Paulus es anmahnt.
Wir alle sollten dieses Ziel vor Augen haben - auch wenn wir es nicht erreichen, solange wir hier auf Erden leben. Wir brauchen diese Motivation, um nicht abzuschlaffen. Paulus bringt es ja in Vers 12 gleich zu Beginn wunderbar auf den Punkt: „Nicht, dass ich es schon ergriffen habe, oder vollkommen sei. Ich jage diesem Ziel aber nach, um es zu ergreifen, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin“. 

Diese Worte kann ich eins zu eins auf mich beziehen – auch wenn ich eine andere Christuserfahrung gemacht habe. Doch auch ich bin von dem, was Christus in meinem Leben getan hat, ergriffen.


So möchte ich euch abschließend einige Fragen stellen, die jeder für sich persönlich beantworten muss:

- Gibt es etwas, was du am liebsten vergessen möchtest, aber nicht vergessen kannst?

- Ist dir bewusst, was hinter dir liegt?

- Kannst du denen vergeben, die an dir schuldig geworden sind?

- Kannst du dir selbst vergeben?

- An wem möchtest du dir ein Beispiel nehmen?

- Bist du von Jesus Christus ergriffen?

- Wo befindest du dich auf dem Weg zum Ziel?


Wenn du dich mit diesen Fragen beschäftigst, kann dich das nur weiterbringen. 

Sie auszublenden, würde bedeuten, dass alles so bleibt, wie es ist. Doch Jesus Christus ist für uns am Kreuz gestorben, damit wir versöhnt mit unserer Vergangenheit leben und uns ausstrecken können - nach dem, was vor uns liegt. Er ist unsere Zukunft, mit dem wir unsere Gegenwart gestalten dürfen. AMEN

Lahm, aber nicht gelähmt

Überlegt mal:

  • Welche Person ist in der Bibel körperbehindert, weil sie als Kind fallengelassen wurde - ähnlich     wie ich?
  • Welche Person wurde in der Bibel überreich gesegnet, weil sie in späteren Jahren zum König eingeladen wurde, obwohl sie trotzdem gelähmt bleibt - ähnlich wie ich?
  • Und … welche Person spielt in der Bibel eigentlich nur eine Nebenrolle und ist ziemlich unbekannt - wie ich für Euch?

 


Es handelt sich um Mefi-Boschet -

den Enkel von König Saul. Sein Vater hieß Jonathan. Als Mefi-Boschet fünf Jahre alt ist, sterben sein Vater und Opa gleichzeitig bei einem Kampf. 

Damals ist es Sitte, dass der neue König, die Familie des vorigen Königs tötet, damit sie keine Machtansprüche mehr stellen kann. David - der neue König - aber ist anders und will diese Tradition brechen. David und Jonathan sind außerdem beste Freunde gewesen. Und David hat ihm bei Lebzeiten einmal versprochen, dass er sich um seine Nachkommen kümmert, wenn ihm mal etwas zustößt. 

Die Familie von Mefi-Boschet weiß das aber nicht. Und so flieht sie, doch dabei passiert ein Unglück… Auf der Flucht lässt die Amme den Jungen aus Versehen fallen, sodass er an beiden Füßen gelähmt ist und bleibt. Ein fallengelassener Königssohn kriecht von nun an durchs Leben.


Bibeltext: 2. Samuel 9,1-10 

„Und David sprach: Ist noch jemand übrig geblieben von dem Hause Sauls, damit ich Barmherzigkeit an ihm tue um Jonatans willen? Der Knecht Ziba sprach zum König: Es ist noch ein Sohn Jonatans da, lahm an den Füßen. Der König sprach zu ihm: Wo ist er? Ziba sprach zum König: Siehe, er ist in Lo-Dabar im Hause Machirs, des Sohnes Ammiëls. David ließ ihn holen und sprach: Mefi-Boschet! Fürchte dich nicht, denn ich will Barmherzigkeit an dir tun um deines Vaters Jonatan willen und will dir den ganzen Besitz deines Vaters Saul zurückgeben; du aber sollst täglich an meinem Tisch essen. Er aber fiel nieder und sprach: Wer bin ich, dein Knecht, dass du dich wendest zu einem toten Hunde, wie ich es bin? Da rief der König den Ziba, den Knecht Sauls, und sprach zu ihm: Alles, was Saul gehört hat und seinem ganzen Hause, hab ich dem Sohn deines Herrn gegeben. So bearbeite ihm nun seinen Acker, du und deine Söhne und deine Knechte, und bring die Ernte ein, damit es das Brot sei des Sohnes deines Herrn und er sich davon nähre; aber Mefi-Boschet, der Sohn deines Herrn, soll täglich an meinem Tisch essen.“


Stellt euch mal vor: Mit vier Jahren kann Mefi-Boschet noch laufen, auf Bäume klettern oder Fußball spielen. Er hat seine ganze Familie um sich, in der er glücklich ist, geliebt wird und sich geborgen fühlt. Aber ein Jahr später ist alles vorbei. Wahrscheinlich sitzt er nun traurig in der Ecke und muss zusehen, wie die anderen Kinder miteinander toben und lachen. Er lebt in Lo-Dabar. Dieser Name hat in der Bibel – wie jeder Name - eine Bedeutung. Er heißt übersetzt: „Ohne Worte“ oder „Nichts“ oder „Ort der Dunkelheit“. Vielleicht fehlen den Menschen hier die Worte wegen des Schicksals von Mefi-Boschet, sodass sie nicht mit ihm reden. Vielleicht hat es auch ihm die Sprache verschlagen, weil er so unsagbar leidet. Vielleicht hat er "nichts" außer Dunkelheit im Herzen. Wir wissen es nicht…


Ich weiß nur eins: Als ich in dem Alter von Mefi-Boschet war, hatte ich auch nichts … nicht viel. Ich lebte in einem Heim, wo mir nichts gehörte. Ich hatte mit fünf Jahren schon öfters erlebt, dass meine Eltern nichts von mir wissen wollten… Und als ich mit fast acht Jahren zur Schule kam, besaß ich nichts außer ein Buch, das mir die Heimleitung zum Abschied geschenkt hatte. Mein neues Zuhause entpuppte sich als ein „Ort der Dunkelheit“, weil sehr wenig mit mir gesprochen wurde. Aus irgendeinem Grund hatte auch mich jemand - aus Versehen oder absichtlich - fallengelassen. Und bald musste auch ich am Boden kriechen, weil mir ein Rollstuhl verwehrt wurde… 


Im "Ort ohne Wort" ist Mefi-Boschet der Abgeschobene, der entmachtete Thronfolger. Ihm ist immer eingebläut worden, dass er sich vor dem neuen König verstecken muss, weil er ihn töten will. Dazu kommt noch, dass er mit den Auswirkungen seiner schweren Behinderung zu kämpfen hat - mit ständigen Schmerzen, womöglich mit Krämpfen und der Sehnsucht nach einem normalen Leben. Er ist verstoßen von seinem früheren Zuhause. Er hat im Palast des Königs gelebt. Und nun ist er an diesen gottverlassenen Ort. Wie lange Mefi-Boschet in Lo-Dabar lebt, ist nicht bekannt. Vielleicht sind es 15 bis 20 Jahre. Denn mittlerweile hat er eine eigene Familie, einen Sohn, der Micha heißt. Doch sie alle leben da, wo „Nichts“ ist.

Wenn wir in dem Ort sind, wo „Nichts“ ist, kann sich niemand selbst befreien. Da brauchen wir  jemanden, der von außen eingreift. Bei Mefi-Boschet ist es König David, der sich an seinen Freund Jonathan und das ihm gegebene Versprechen erinnert. Bei uns ist es Jesus, der Gottes Versprechen einlöst, dass er uns nie mehr zürnen will (nachzulesen in Jes. 54,9).

König David begegnet Mefi-Boschet freundlich. Um ihm die Angst zu nehmen, dass er ihn umbringen will, sagt er zu ihm: „Fürchte dich nicht!“ Er will barmherzig zu ihm sein. Aber ist euch schon einmal aufgefallen, dass Mefi-Boschet in der ganzen Geschichte nur einen einzigen Satz sagt – nämlich: „Wer bin ich, dein Knecht, dass du dich wendest zu einem toten Hunde, wie ich es bin?“ Er macht sich klein und glaubt, keinerlei Würde zu besitzen, weil er eine Behinderung hat. Zutiefst schämt er sich für seine Beeinträchtigung. Er hält sich selbst für eine Schande und betitelt sich allen Ernstes als toten Hund. Und damit macht er der Bedeutung seines Namens in der Tat alle Ehre. Denn Mefi-Boschet heißt wörtlich übersetzt: „Aus dem Mund (kommt) Schande“. Er, der jahrelang im „Ort ohne Wort“ gelebt hat, bringt in diesem Abschnitt nur einen Satz der Schande über die Lippen, weil er den Erwartungen seiner Mitmenschen und auch den Erwartungen an sich selber, nicht entspricht oder vielmehr entsprechen kann. Er glaubt, wert- und nutzlos zu sein und es am wenigsten verdient zu haben, vom König zur Tischgemeinschaft berufen zu werden. 


Jeder von uns hat eine sichtbare oder unsichtbare Beeinträchtigung. Der eine trägt eine Brille, die andere hat ein Hörgerät und manche benötigen einen Gehstock. Aber darüber hinaus gibt es viel mehr unsichtbare Handicaps. Sei es ein Herzschrittmacher, künstliche Hüftgelenke, Depressionen, und wer von uns schleppt kein Päckchen mit sich herum, das gefüllt ist mit schweren Verletzungen und Altlasten aus der Vergangenheit... Manchmal sind wir gelähmt vor Angst, gelähmt von Hiobsbotschaften, gelähmt vor Verzweiflung...

Aber jeder von uns ist auch eingeladen, zum König zu kommen - so wie er ist. Niemand muss Angst davor haben, dass er ihn vernichten will. Unser König Jesus sagt vielmehr: „Fürchte dich nicht, denn ich will Barmherzigkeit an dir tun." Für ihn zählt nicht, wie wir kommen - ob mit Schuld beladen oder mit Schwächen versehen, sondern, dass wir kommen. Er will uns Gutes tun. Und wir dürfen zusammen mit ihm Tischgemeinschaft haben - tagtäglich. Einmal im Monat erinnern wir uns hier beim Abendmahl, was Jesus für uns getan hat, was es ihn gekostet hat, unsere engen Grenzen zu sprengen und uns zu retten. Er sucht Gemeinschaft mit uns. Und er möchte uns täglich sagen: 


1. Du bist wertvoll und angenommen, genau so wie du bist. 

2. Du bist in meinen Augen einzigartig und etwas Besonderes.

3. Du darfst schwach und unvollkommen sein.

4. Du bist aus Lo-Dabar, dem Ort der Dunkelheit, gerufen in mein ewiges Licht.

5. Du bist auserwählt und darfst Platz nehmen am Tisch des Königs.

6. Ich heile dich so, wie es in meinem Plan vorgesehen ist.


Mefi-Boschet hat die Chance genutzt, die ihm geboten wird und hat sich nicht in die Opferrolle verkrochen. Sein Wagnis, mit nach Jerusalem zu gehen, wird reich belohnt. Er ist nicht mehr der bemitleidenswerte Mann am Rande der Gesellschaft, sondern der Gleichgestellte in der Heimat. 

Die Beeinträchtigung von Mefi-Boschet bleibt ein Teil von ihm. Aber sie ist kein Grund mehr, ihn oder sich selbst anders zu behandeln. Zusammen mit anderen Gästen sitzt er gleichberechtigt am Tisch des Königs. Mefi-Boschet bekommt seinen ganzen Besitz, samt Haus und Diener zurück – und das ist keine Mitleidsgeste. Denn hätte es noch andere Nachkommen Jonathans gegeben, hätten sie auch so ein Geschenk bekommen. Der Unterschied ist nur der: Für andere sind Diener vielleicht eine gesellschaftliche, selbstverständliche Bequemlichkeit. Für Mefi-Boschet hingegen sind sie eine absolute Lebensnotwendigkeit.

Mefi-Boschet ist einer der Wenigen, die äußerlich nicht geheilt werden und von denen die Bibel trotzdem namentlich spricht. Er bleibt lahm, aber nicht gelähmt - vor Unsicherheit und Verzweiflung. Die Barmherzigkeit und vollkommene Zuwendung seines Königs haben ihn neu ermutigt, trotz der Behinderung mit beiden Beinen im Leben zu stehen. Er lernt sogar, eigenständig zu wirtschaften. Zwar hat er Ziba, seine Söhne und Knechte, die sein Ackerland bewirtschaften. Doch er muss sie leiten, managen und entlohnen. Aber der König ließ ihn damit nicht allein. Jeden Tag konnte er wieder zu ihm kommen und sich bei einem kräftigen Essen bei ihm stärken und während der Tischgemeinschaft vielleicht mit ihm über die neuen Herausforderungen reden… All das stärkte sein Selbstbewusstsein!


Schon wieder sehe ich Parallelen zu mir. Auch ich darf jeden Tag zu meinem König kommen, der mich vor fast 30 Jahren in seine Arme zog. Wie er das tat, dürft Ihr gern in meinem Buch nachlesen… 

Jeden Tag darf ich mich bei Gott stärken und mit ihnen über meine Herausforderungen reden. Denn ähnlich wie Mefi-Boschet darf ich eigenverantwortlich leben. Ich habe seit 15 Jahren eine eigene kleine Firma: das sogenannte Arbeitgebermodell. Das bedeutet: Ich muss und darf dafür sorgen, dass meine drei Assistenten - die alles übernehmen, was ich selbst nicht kann - mit Arbeit versorgt und entlohnt werden. Monat für Monat erstelle ich Dienstpläne, mache ich die Lohnabrechnungen und denke mir aus, womit ich die drei Hübschen beschäftigen kann… Eine schwere Aufgabe (hoffentlich lachen die Zuhörer)! Aber durch sie darf auch ich mit beiden Beinen im Leben stehen, meinen Platz einnehmen - trotz meiner Behinderung. Was für eine Würde und Ehre mir Gott dadurch zuteil werden lässt. Ich bin so dankbar, dass er mich - wie Mefi-Boschet - zu sich gerufen hat…


Wie gut, dass Gott eine Schwäche für unsere Schwächen hat. Er möchte alle in seiner Nähe haben, um mit uns Gemeinschaft zu pflegen, um uns Verantwortung zu übertragen, damit sein Reich weiter gebaut werden kann. Wir dürfen kommen - egal, was einmal war. Und darum ruft er uns als König auch heute zu: "Fürchtet euch nicht! Kommt zu mir! Ich will euch nicht vernichten, sondern euch Barmherzigkeit erweisen um meines geliebten Sohnes willen!" AMEN.



Das Wunder der Wunden

Dass wir in dieser Welt, in unserem Leben immer wieder einmal verwundet werden, ist doch nicht verwunderlich, oder!? Hier sind nun einmal nichts und niemand perfekt. Menschen machen bewusst oder unbewusst Fehler: Sie sind neidisch, eifersüchtig, habgierig und oft genug egoistisch. Dadurch verletzen wir einander. Es entstehen Wunden an Geist, Seele und Leib. Aber wisst Ihr, was die Steigerungsform des Wortes WUNDE ist: WUNDER!


Wenn wir - als gläubige Menschen - Jesus Christus unsere Verletzungen, unsere Wunden hinhalten, kann er sie in Wunder verwandeln...


Ich werde das Jahr 2007 wohl nie wieder vergessen: Vier Monate zuvor war meine Mutter gestorben, und im gleichen Atemzug verlor ich meinen Vater. Das war ein bisschen viel für mich. 

Wenn ich nun am Computer arbeiten wollte, konnte ich mich überhaupt nicht mehr konzentrieren. Das kannte ich gar nicht von mir. Allmählich hörte ich mein Herz so laut rasen, dass es richtig unangenehm war. Ich wurde körperlich immer schwächer, und das Allerschlimmste war, dass ich nachts kein Auge mehr zubekam - nicht, weil mich so viel beschäftigte, sondern weil ich durch das ständige Herzrasen nicht einschlafen konnte.

Mein Neurologe diagnostizierte: Depression. Er verschrieb mir Antidepressiva. Aber es wurde nicht besser. Er wechselte die Präparate. Doch nichts half. Wenn ich nicht auch noch zusätzlich Schlaftabletten bekommen hätte, wäre ich durchgedreht. Ich ging davon aus, dass auch ich bald sterben müsste. Und das machte mir Angst.

Damals ging ich noch in die Baptistengemeinde, und als mich mein damaliger Pastor einmal besuchte, schlug er vor, dass er sofort einen Kardiologen, der auch in unsere Gemeinde ging, anruft, um einen Termin für mich bei ihm zu machen.

Die Fahrt nach Lütten-Klein war für mich zu einer Weltreise geworden. Als ich in der Praxis ankam, war ich vor Schwäche schweißgebadet. Ich wurde untersucht, und nach wenigen Tagen hatte ich die richtige Diagnose: schwere Anämie, Blutarmut. Ich bekam Eisentabletten, und nach acht Monaten war ich geheilt. Ich war endlich wieder leistungsfähig und konnte auch wieder schlafen.

Was ich damals nicht wusste, war, dass ich mich total verausgabt hatte. Das Abschiednehmen von meinen Eltern hatte mir ein Stück meines eigenen Lebens abverlangt. Aber wie Ihr seht: Ich sitze heute fröhlich hier. Und Gott hat aus meiner Wunde ein Wunder gemacht.


In der heutigen Predigt geht es auch um eine Frau, die an Blutarmut leidet, und es geht um eine andere Frau, die stirbt. Wir erleben gleich zwei Wunder, denn beide Menschen erfahren, wie Jesus Ihre Lebenswunden in Lebenswunder verwandelt. Die Geschichte steht in Markus 5, 21-43

 

Zwei ganz unterschiedliche Schicksale sind hier kunstvoll verwoben zu einer Geschichte. Ein 12-jähriges Mädchen, das plötzlich zu sterben droht, und eine Frau, die zwölf Jahre unter einer schrecklichen Krankheit zu leiden hatte - sie beide erleben ein echtes Wunder. Beide haben scheinbar nichts gemeinsam - außer, dass sie weibliche Wesen sind. Und - die Zahl 12 stellt eine Verbindung zwischen ihnen her. Dennoch: Die beiden Frauen haben mehr miteinander zu tun, als man auf den ersten Blick sehen kann...


Vordergründig spielt sicherlich der Synagogenvorsteher Jairus eine ganz wesentliche und auch verbindende Rolle. Denn er erlebt ja beide Wunder unmittelbar mit. Wenn auch unfreiwillig, so lernt Jairus durch das dazwischen gekommene Wunder an der blutflüssigen Frau etwas ganz Wesentliches. Im Nachhinein wird ihm klar, dass es bei Jesus kein „Zu-spät“ gibt. Selbst der Tod verliert seine Endgültigkeit – wenn wir nur glauben. „Fürchte dich nicht, glaube nur“, sagt Jesus zu dem verzweifelten Vater (V.36). Als wenn das so einfach wäre, sich nicht zu fürchten. Wie kann man nur glauben, dass Jesus selbst dann noch etwas tun kann, wenn alles leblos, ausweglos, sinnlos erscheint? Nur im Glauben an Jesus, der letztendlich den Tod besiegt hat, können wir glauben, dass es nie zu spät ist für ein Wunder – nicht zuletzt das Wunder der Auferstehung. Das ist die Botschaft: Wir dürfen und sollten immer mit dem Wunder der Auferstehung rechnen – und zwar mitten im Leben. Die Tochter des Jairus war erst 12 Jahre alt. Das heißt, sie war nach damaliger Sitte in Israel gerade geschlechtsreif und damit im heiratsfähigen Alter. Sie hatte gewissermaßen das Leben noch vor sich. Wenn Jesus zu ihr sagt: „Talita kum“, dann ist dabei nicht nur an das Auferstehen vom Tod zu denken. Dieses „Steh auf“ soll für dieses Mädchen ein Lebensmotto werden. Steh auf! Steh zu dir! Steh auf, gib nicht auf – niemals! 


Welche Botschaften bestimmen dein Leben? Vielleicht:

"Das kannst du nicht?!", 

"Du wirst es nie zu etwas bringen?“,

"Du taugst nichts?!“, 

"Du bist ein Unfall!“,

"Es hat alles keinen Sinn!"


Wenn du das glaubst, dann hat es Sinn, dass du heute hier bist und diese Botschaft hörst: Unser Denken bestimmt unser Leben. Wir dürfen glauben, dass Jesus etwas ändern kann. Vielleicht hast du gewisse Hoffnungen längst begraben. Dann steh auf! Und wenn dir die Kraft dazu fehlt, dann mache das, was Jairus tut: darum bitten, dass Jesus eingreift. Gebet hat Kraft – Auferstehungskraft. Denn der Auferstandene antwortet auf unser Gebet. Jesus möchte uns Menschen aufrichten. Wir dürfen aufstehen, aufrecht durch das Leben gehen!


Es ist nie zu spät für ein Wunder. Es kann sich immer noch etwas ändern im Leben. Steh auf! Glaube nur! Genau das hat übrigens auch die blutflüssige Frau getan. Eigentlich galt ihre Krankheit als unheilbar. Sie war austherapiert. Sie hatte alles versucht. Sie hatte ihr ganzes Vermögen für Therapien und Medikamente ausgegeben. Sie muss reich gewesen sein, aber das half auch nichts. Wahrscheinlich hat sie sich so elend gefühlt, wie Jana es anfangs beschrieben hat... Zwölf Jahre durfte sie niemand berühren – auch nicht die Menschen, die sie lieb hatte. Sie konnte keine Kinder kriegen. Sie galt als unrein – umso erstaunlicher, dass sie bei der großen Menschenmenge bis zu Jesus vordringen konnte. Sie glaubte, dass sie nur das Gewand von Jesus berühren müsste, um geheilt zu werden. Was für ein Glaube – nach all den verzweifelten Versuchen, gesund zu werden. Die Botschaft hier ist: Es genügt manchmal, nur den Saum des Gewandes zu berühren. 


Was könnte das für uns bedeuten?

Vielleicht ein kleines Stoßgebet zum Himmel richten, wenn wir in Not sind oder keine Kraft zum Aufstehen haben!

Vielleicht nur einen Vers in der Bibel lesen, der Hoffnung macht!

Vielleicht in den Gottesdienst kommen, nichts sagen, aber sich von Gottes Wort anrühren lassen.

Vielleicht wieder einmal am Abendmahl teilnehmen und das kleine Stück Brot und den Schluck aus dem Kelch in sich aufnehmen, damit wir ganz neu spüren, wie viel wir Jesus Christus bedeuten und dass er alles für uns gegeben hat!

Vielleicht den Pastor anrufen und das Wörtchen "Hilfe" sagen!


In der Geschichte wird beschrieben, dass diese Frau eigentlich auch gerne unerkannt geblieben wäre. Doch Jesus besteht darauf, dass sie sich outet. Wie beschämend vor all den Leuten? Heilung wird manchmal nur geschehen, wenn wir bereit sind, auch die schambesetzten Themen in unserem Leben zu bekennen. 


Nun kann das Leiden der Frau mit ihrer starken Menstruations- oder auch chronischen Gebärmutter-Blutung hormonell bedingt gewesen sein. Es könnte aber auch sein, dass es da psychosomatische Zusammenhänge gab. 


Ich komme noch einmal zurück auf die Zahl 12. Nur mal angenommen, diese Frau hat in ihrer Kindheit zu wenig Liebe erfahren – vor allem von ihrem Vater. Denkbar, dass sie im Alter von 12 Jahren verheiratet worden ist. Vielleicht musste sie einen Mann heiraten, den sie nicht liebte, den sie auch nicht lieben konnte, weil sie selbst zu wenig Liebe erfahren hatte. Vielleicht versuchte sie ihr Leben lang, ihrem Vater zu gefallen. So weit hergeholt ist das nicht. Demnach verausgabte sie sich ... im wahrsten Sinne des Wortes. Blut steht für das Leben und für die Liebe. Sie gab alles, nur um ein wenig Bestätigung, Wertschätzung und Liebe zu bekommen. Doch diese Sehnsucht blieb ungestillt. Ärzte konnten da nicht helfen. Erst in dem Moment als Jesus zu ihr sagte: „Meine Tochter“, da wurde diese Sehnsucht für immer gestillt. Die Botschaft, die bei dieser Frau ankam, war die: Da ist ein Vater im Himmel, dem ich nichts beweisen muss. Ich finde es sehr auffällig, dass Jesus diese erwachsene Frau mit der Anrede „Meine Tochter“ anspricht. Damit wird eben auch ein Zusammenhang mit der 12-jährigen Tochter des Jairus hergestellt. Denkbar, dass auch dieses Kind unter dem allzu großen Über-Ich des Synagogenvorstehers zu leiden hatte. Sie war das einzige Kind. Vielleicht war sie überbehütet. Vielleicht wurde ihre Entwicklung so stark kontrolliert, dass sie nicht zu sich selbst stehen konnte. Vielleicht hat Jairus seine Tochter so sehr geliebt, dass er gar nicht gemerkt hat, wie sehr er Macht über sie ausübte. So spekulativ das sein mag: Die Botschaft „Steh auf“ bekommt auf diesem Hintergrund eine neue Bedeutung. Gott möchte, dass wir innerlich heil werden. Nicht selten spielt die Beziehung zum Vater oder auch zur Mutter eine überaus bedeutsame Rolle für die spätere Entwicklung. Diese Zusammenhänge zu entdecken, kann auch schmerzhaft sein. 


Erst wenn wir uns mit der eigenen Biografie versöhnen, können wir heil werden. Gott ist unser Vater - ein Vater, der dich als Tochter und als Sohn sieht. Seine Vaterliebe stillt jede Sehnsucht und zugleich ermutigt sie uns, aufzustehen, zu leben und zu lieben.


Mag sein, dass manch einem diese psychologisierende Herangehensweise an diese neutestamentliche Wundergeschichte fragwürdig erscheint. Man könnte diese Geschichte auch rein theologisch heilsgeschichtlich deuten. Demzufolge würden diese beiden Wunder an der blutflüssigen Frau und der Tochter des Jairus eigentlich nur darauf hindeuten, dass sich mit dem Kommen Jesu alttestamentliche Prophetie erfüllt. Denn der Prophet Jeremia (31,4.13.21) hatte das Aufstehen und Gehen der gefallenen Jungfrau Israel angekündigt. Sowohl die blutflüssige Frau, als auch das 12-jährige Mädchen könnten die „Jungfrau Israel“ verkörpern, also das auserwählte Volk Gottes, das den Messias erwartet. Die Menschen damals sollten aufgrund der beiden so außergewöhnlichen Wunder an zwei Frauen, erkennen, dass Jesus der Messias ist, und sich mit ihm die Prophetie des Jeremia erfüllt hat.


Jesu Kommen kann für uns heute zweierlei Bedeutungen haben.

Zum einen: Wir müssen nicht bluten - weder für Schuld, die wir begangen haben und unter der wir vielleicht jahrelang schon leiden noch für das, was uns womöglich im Laufe des Lebens angetan worden ist. Jesus hat sein kostbares Blut für uns vergossen, damit wir frei werden können. Er vergibt uns, und vielleicht ist es ein Prozess, zu erkennen, dass wir uns nichts vergeben, wenn auch wir "unsern Schuldigern vergeben". Aber Jesus ist auch auferstanden. Er ermöglicht es uns, dass neues Leben für uns, in uns beginnen kann - zu jeder Zeit. Das einzige, was nötig ist, ist Glauben. Die beiden Frauen aus der Geschichte sind ein Beispiel dafür. Die blutflüssige Frau hat Jesus ihren Glauben geschenkt, ist aufgestanden und zu ihm gegangen, um geheilt zu werden. Und bei dem 12- jährigen Mädchen war es so, dass Jesus zu ihr ging, weil er an sie geglaubt hat, sodass sie auferstehen konnte - zu neuem Leben. Das alles spricht nur für eins: Wenn wir daran glauben, dass wir nicht bluten müssen, weil Jesus für uns gestorben und auferstanden ist, können wir unser Leben lang und - egal, was war – aufstehen, Stehaufmännchen sein, damit aus unseren Wunden Wunder werden. AMEN



Alles Mögliche oder das Mögliche sehen

Wisst Ihr, was? Der Mensch sieht alles Mögliche, aber Gott sieht das Mögliche, die Möglichkeiten! Wie oft denkt und sagt jeder von uns: Was wäre, wenn…? Viel zu oft leben wir im Konjunktiv, in der Möglichkeitsform und verpassen dadurch Gelegenheiten, weil wir uns nicht trauen, Dinge zu tun, die wir eigentlich tun möchten. Wir träumen unser Leben und leben nicht unseren Traum…

Ich habe einmal im Duden nachgeschaut, was da über den Konjunktiv steht. Passt auf: „Der Konjunktiv ist im Deutschen neben dem Indikativ und dem Imperativ einer der drei Modi eines Verbs. Da Aussagen im Konjunktiv häufig in den Bereich des Möglichen fallen, wird er auch als Möglichkeitsform bezeichnet. Der Konjunktiv zeigt jedoch nicht an, dass etwas möglich ist.“ Alles klar?


Ich habe mir einmal den folgende Reim auf das heutige Thema gemacht: 

Denken wir im Konjunktiv,

sind wir selten nur aktiv!

Wir lassen uns von Zweifeln leiten

und sehen nicht die Möglichkeiten.

Erst wenn wir nach dem Präsens streben,

beginnt das eigentliche Leben!


Hast du schon einmal gesagt: „Ach, ich müsste wieder mal zwei Kilos abspecken, aber es schmeckt immer so gut!“? Es wäre gut für mich, wenn ich mehr Sport treiben würde, aber mein innerer Schweinehund hält mich ab!“? „Wenn ich gestern die Wohnung geputzt hätte, könnte ich heute etwas Schönes unternehmen!“ „Hätte ich meinen Zahnarzttermin nicht verschoben, müsste ich jetzt nicht mit Schmerzen herumlaufen!“? 

Oft denken wir Christen auch:

Wenn ich nur öfter beten würde...! 

Wenn ich nur mehr Zeit hätte, um einmal die oder den zu besuchen! 

Ich könnte ja einmal einen Kurs mitmachen! 

Auch mitarbeiten müsste ich ja...! 

Wäre ich doch so begabt wie andere!

Irgendwie bräuchte ich Mut, um die oder den um Hilfe zu bitten! 

Ich müsste und ich würde, wenn ich hätte und könnte, aber ich bräuchte und dann wäre!


„Hätte, „Hätte, Fahradkette“.

“Hätt' der Hund nicht geschi…, hätt' er den Hasen gefangen.“

Wenn das Wörtchen "wenn" nicht wär', wär' ich mein Vater Millionär.“

"Hätte, Wenn und Aber, alles nur Gelaber.“


All diese „Hätte“, „Wenns“ und „Aber“ halten uns auf, halten uns ab, von dem, was vielleicht, eventuell, womöglich möglich ist. Und die Fragen sind heute: „Muss das so sein? Wie können wir das ändern “ Auf dem Weg zum großen Glück beginnt immer alles mit dem kleinen Schritt, und diese Predigt soll Mut machen, ihn heute zu gehen.

Übrigens: Den Jüngern damals ging es auch nicht viel anders als uns heute. Sie hatten gesehen, was möglich sein könnte, wenn man ein bisschen mehr wie wie Jesus wäre, wenn man mehr glauben würde, wenn man mehr von ihm hätte. Sie waren damals schon „einige“ Schritte mit Jesus gegangen. Sie hatten miterlebt, welche großen Wunder er getan hat: Blinde konnten sehen, Lahme gehen, Wind und Wellen gehorchten ihm. Und sogar Tote weckte er auf. Das beeindruckte sie; das wollten sie auch können. Sie wollten nicht im Möglichen schweben. Sie wollten Taten tun wie er. Darum wollten sie auch so große Dinge tun können, dass sie Jesus irgendwann bitten: "Herr, gib uns größeren Glauben"

Wow, eigentlich hätte sich Jesus freuen können: Seine Schäfchen wollen im Vertrauen zu ihm noch wachsen. Sie wollen für ihn Bäume ausreißen, Berge versetzen. Haben wir diesen Wunsch eigentlich auch noch? Wollen wir einen starken Glauben haben?

Auf diese großartige Bitte seiner Nachfolger erwidert Jesus dann aber nur: "Wenn ihr Glauben hättet, so groß, wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und verpflanze dich ins Meer - und er würde euch gehorchen."  


Ich habe hier ein Senfkorn. Seht Ihr? 

Ein Senfkorn ist das kleinste von allen Samenkörnern. 

Das ist also die Antwort auf die Bitte: „Gib uns größeren Glauben.“ Ach, wie gern würde ich im Glauben Bäume ausreißen oder Berge versetzen. Aber will Jesus den Jüngern, dir und mir damit sagen: „Das schafft ihr nie!" 

Ist mein Glaube noch nicht mal so groß wie dieses Senfkorn? Will mich Jesus kleinmachen, fertigmachen? Will er euch und mich deprimieren?

Vielleicht hören manche unter uns nur den Anspruch, der in dieser Aussage Jesu steckt: Du musst mehr glauben! Du genügst nicht! Aber das stimmt nicht, wie so viele innere Stimmen, die uns nur anlügen....

Jesus möchte uns mit dieser Aussage anspornen, herausfordern, ermutigen. Es ist eine Zusage. Denn man kann diesen Bibelvers auch ohne das „Hätte, Könnte und Würde“ wiedergeben. Im Urtext heißt es nämlich: „Wenn ihr Glauben habt, so groß, wie ein Senfkorn, dann könnt ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und verpflanze dich ins Meer - und er wird euch gehorchen."  Und das klingt doch schon ganz anders...


Schaut euch noch einmal dieses Senfkorn an: Vielleicht hättest du gerne einen größeren Glauben. Aber wenn du das Gefühl hast, er ist ungefähr so klein, wie solch ein Senfkorn, dann reicht das aus. Gott verlangt gar nicht mehr! Gott erwartet nicht, dass wir einen größeren Glauben haben müssten. Das Problem besteht darin, dass wir uns selbst manchmal unter Druck setzen, uns für unzulänglich halten. Wir denken oft, dass wir noch mehr tun müssten: Die ganze Welt auf einmal retten… Fünftausend Menschen gleichzeitig satt machen… Alle Kranken heilen oder jedem Toten neues Leben… 

Aber Gott denkt in anderen Dimensionen. Was für uns groß ist, ist für ihn oft klein. Und was uns klein erscheint, ist für ihn ganz groß. Was wäre, wenn Jesus das mit dem Senfkorn gar nicht so gemeint hätte, dass wir einen größeren Glauben haben müssten, sondern es ihm vielmehr darum ging zu sagen, dass wir mit dem Maß an Glauben, das wir haben – und sei es so winzig wie ein Senfkorn – unvorstellbare Dinge vollbringen können – können, nicht könnten. Wenn unser Glaube so klein ist wie ein Senfkorn, können wir die Welt trotzdem aus den Angeln heben. Die kleinen Dinge können Großes bewirken. Zum Beispiel:

Wenn man jemanden anlächelt, bekommt man in der Regel ein Lächeln zurück.

Wenn man einem Rollstuhlfahrer die Tür aufhält, eröffnet man ihm manchmal neuen Welten.

Wenn man einer Mutter hilft, den Kinderwagen in den Bus zu heben, fällt ihr ein großer Stein vom Herzen.

Wenn wir einander öfter einmal „Danke“ sagen - für das, was wir so selbstverständlich tun, kann das eine große Ermutigung sein, weiterzuarbeiten.

Ein Satz reicht manchmal aus, damit ein anderer unter uns getröstet wird. 

Und was ist mit den Kilos, die wir abnehmen wollen? Jedes Gramm, das wir uns abhungern oder abtrainieren, ist ein Weg zum Wunschgewicht.

Vielleicht fängst du mit fünf Kniebeugen oder ein bisschen Radfahren an, um Sport zu treiben.

Der Zahnarzt ist auch noch nicht weggelaufen: Ein Anruf genügt, damit du einen Termin hast und die Schmerzen los bist.


Auch in Gottes Reich kann Kleines Großes bewegen.

Das noch so kürzeste Gebet versetzt manchmal Berge.

Einen Abschnitt in der Bibel lesen, kann unsere Sichtweise verändern.

Sich in der Gemeinde einmal einzubringen, entlastet andere und kann deinem Leben neue Lebensqualität bringen.

Und es ist nun einmal so: Zehn Euro, die wir dem Fischkutter spenden, verändern die Welt eines Kindes.


Der große Gott liebt die kleinen Dinge. Das hat er uns gezeigt und vorgelebt. Denn aus dem Nichts machte er die ganze Welt.  Aus einer Handvoll Erde schuf er die Menschen. Unbedeutende Leute wie Abraham, Mose oder David benutzte er, um Geschichte zu schreiben. Selbst hat er klein angefangen als Kind in der Krippe. In einer unbedeutenden Stadt begann er zu wirken. Aus einem klitzekleinen Senfkorn kann er einen respektablen Strauch bzw. Baum wachsen lassen. Und schließlich fing er damals mit zwölf einfachen Männern an, sein Reich zu bauen, die sich bis heute zu Christen auf der ganzen Welt vermehrten.


Insofern sollte es uns mit seiner Hilfe doch möglich sein, dem Konjunktiv - die Stirn zu bieten. Wichtig ist dabei, dass wir auf unsere Gedanken achten - uns nicht mehr fragen: Was würde ich tun?“ Sondern: Was werde ich tun?“ Wir dürfen klein anfangen; wir dürfen die Größe in den kleinen Dingen sehen, finden und in Angriff nehmen. Denn nur so werden wir - aus Gottes Sicht – Bäume ausreißen und Berge versetzen! AMEN.

Das Nein in Nain entdecken

Ein Unfall - unvorhergesehen...

Die Zeit bleibt plötzlich für mich stehen.


Ich kann es immer noch nicht fassen!

Du hast mich einfach so verlassen!

Viel zu früh gingst du jetzt fort -

ohne Abschied, ohne Wort.

In meinem Kopf - 'ne Menge Fragen.

Ich möchte dir noch vieles sagen:

wie du mir fehlst, wie ich dich mag -

und dich vermisse … Tag für Tag.


Wir hatten doch so große Pläne.

Was bleibt, ist Leere … meine Träne. 


Ich kann das Ganze nicht verstehen! 

Wie soll es denn jetzt weitergehen?

Die Trauer vernebelt meinen Blick.

Ich will dich einfach nur zurück…

Doch könntest du dich heut entscheiden;

du würdest bei dem Vater bleiben.

Du siehst jetzt mehr, dir geht es gut.

Das tröstet mich und macht mir Mut.


Es fällt nicht leicht: Ich lass' dich los.

Mein Horizont wird wieder groß. 


Denn du lebst in der Ewigkeit

ohne Kummer, Schmerz und Leid.

Du siehst jetzt Gottes helles Licht.

Dunkelheit, die gib’s dort nicht!

Menschen Schuld hat nichts verdorben.

Und der Tod ist auch gestorben!

Kniest ja längst vor Gottes Thron

freust dich sehr mit seinem Sohn,

dass du auf ewig mit ihm lebst

und sorgenfrei im Himmel schwebst!

 

Hoffnung belebt nun meine Glieder -

ich glaub’ daran: Wir sehn uns wieder!



Ich weiß nicht, was die Frau gefühlt und gedacht hat, um die es heute …. mehr oder weniger … geht — ob sie Gedanken und Empfindungen hatte, von denen wir gerade gehört haben. Sie hat schon ihren Mann verloren, ist früh Witwe geworden. Keine Ahnung, ob er einen Unfall hatte oder krank war. Das war schon schlimm genug. Aber dann hatte sie ihre Hoffnung – den Sohn, der sie an den Ehemann erinnerte, der ihre ganze Zukunft war. Wenigstens er ist ihr geblieben nach dem Tod ihres Mannes… Und dann stirbt auch dieser Junge – viel zu früh. Woran - wir wissen es nicht. Vielleicht denkt die Mutter jetzt auch: „Ich kann das Ganze nicht verstehen! Wie soll es denn jetzt weitergehen? Die Trauer vernebelt meinen Blick. Ich will dich einfach nur zurück…“

Aber hören wir uns erst einmal die ganze Geschichte aus Lukas 7,11-17 an:


„Und es begab sich danach, dass er in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seine Jünger gingen mit ihm und eine große Menge. Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der der einzige Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe; und eine große Menge aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sah, jammerte sie ihn, und er sprach zu ihr: Weine nicht! Und trat hinzu und berührte den Sarg, und die Träger blieben stehen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf! Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden, und Jesus gab ihn seiner Mutter. Und Furcht ergriff sie alle, und sie priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und: Gott hat sein Volk besucht. Und diese Kunde von ihm erscholl im ganzen jüdischen Land und in allen umliegenden Ländern.“


Zwei Welten prallen hier aufeinander. Zwei Menschengruppen begegnen sich. 

Da ist zunächst der Zug des Todes, der sich gerade aus der Stadt Nain wegbewegt – zu dem, was wir heute Friedhof nennen. Es ist erschütternd, wie eigentlich jeder Tod. Nur die Dramatik ist hier besonders schlimm. Eine junge Frau hat - wie bereits erwähnt - erst ihren Mann und nun auch noch ihren Sohn verloren. Es ist der Zug der Traurigkeit, der Endgültigkeit. Alle weinen und sind am Ende. Vor allem die Frau weiß nicht, wie es weitergehen soll: Witwenrente bekam sie damals nicht. Für sie war der Sohn die Garantie dafür, dass es ihr auch in Zukunft einigermaßen gut geht, weil er verantwortlich war für das äußere Wohl seiner Mutter. Nun nimmt Gott ihr diesen Halt. Er nimmt ihr die Hoffnung, die Zukunft.


Damals in Israel kam noch eine andere Schwierigkeit hinzu: Man ging davon aus, wenn ein Mann unter 20 Jahren stirbt, muss das mit einem Schuldproblem seiner Eltern zusammenhängen. „Wer weiß, was bei denen nicht in Ordnung gewesen ist, dass Gott sie so straft.“ Könnt ihr euch vorstellen, was in der Frau vor sich geht?! Die Selbstanklage, die Selbstzweifel, vielleicht auch die Blicke der anderen. 


Aber demgegenüber kommt auf dem Zug des Tod eine andere Menschentraube zu. Es ist der Zug des Lebens, der Hoffnung und der Macht. Jesus führt diesen an, der von sich selbst sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“ Er stellt sich der klagenden, schreienden Menge. Er sieht die weinende Witwe, und er gebietet den Trägern Halt. Der Zug des Lebens stoppt den Zug des Todes. Jesus hat tiefes Erbarmen mit dieser gequälten Frau, und er ist erschüttert, dass hier der Tod - als der böse Feind - wieder einmal zu siegen scheint. Und darum wendet er sich dem Verstorbenen zu, indem er an den offenen Sarg tritt, die Decke zurückschlägt und den jungen Mann anspricht und sagt: „Jüngling, ich sage dir, steh auf!“ Und das Faszinierende geschieht: Jesus erweckt den jungen Mann zu neuem Leben.


Wir können uns vorstellen, dass die Leute damals nicht genug bekommen haben von diesem Wunder. Jesus hat einen Toten auferweckt. Er hat der Mutter den Sohn wiedergegeben. Jesus hat sich nicht mit dem Tod und der Vergänglichkeit des menschlichen Lebens abgefunden.


Man sagt: Der Tod gehört zum Leben. Ja, in dieser Welt schon. Wo die Sonne scheint, entstehen auch Schatten. Und erst nach dem Winter folgt der Frühling. Nur wer traurig ist, wird getröstet. Solange wir hier leben, geht nicht alles glatt. Wir werden erleben, dass wir Wünsche begraben müssen, dass Träume und Hoffnungen sterben. Und geliebte Menschen natürlich auch. Aber Jesus ist stärker. Als der Auferstandene hat er – im wahrsten Sinne des Wortes – den Tod zum Teufel gejagt. Und deshalb gibt es Hoffnung.


Jeder von uns kennt Situationen, wo die Hoffnung stirbt, wo wir enttäuscht werden und Wünsche und Träume begraben müssen. – z.B. wenn man Freunde verliert oder von ihnen enttäuscht wird, wenn man in der Schule gehänselt oder auf Arbeit gemoppt wird. Manche begraben die Hoffnung, wenn sie eine schwere Krankheit bekommen. Es gibt so viele Situationen, wo wir, wo Menschen ihre Hoffnung begraben müssen. Doch diese Geschichte vom Jüngling zu Nain will uns eins lehren: Es gibt das Nein zu ausweglosen Situationen; ein Nein zur Hoffnungslosigkeit; ein Nein zum ewigen Tod - wenn wir an Jesus Christus glauben. Denn durch seinen Tod und vor allem durch seine Auferstehung steht uns die Tür zum Himmel offen.

…und wenn mir uns mal vor Augen führen, was uns dort erwartet:    


Im Himmel gibt es kein Mobbing mehr. Weder Neid, Eifersucht noch Hass wird es dort geben. Alle Formen der Angst sind verschwunden. Auch Aids oder Krebs gibt es nicht mehr. Ja, überhaupt können uns im Himmel keine Krankheiten etwas anhaben. Brillen, Hörgerät, Gehstöcke, Rollstühle brauchen wir deshalb nicht mehr. Wir werden nie mehr weinen. Freude und Lachen, Tanzen und Singen stehen da ganz oben auf der Tagesordnung. Und vor allem werden wir Jesus Christus sehen, der uns den Weg freigemacht hat durch seine Erlösung und Errettung, die er für uns erlitten hat. Er selbst wird in einem so hellen Licht vor uns erscheinen, dass es keine Sonne mehr zu geben braucht. Und toll ist auch, dass er vorausgegangen ist, um uns Wohnungen zu erbauen und einzurichten, wo es weder Schimmel noch quietschende Türen geben wird. Also, wir dürfen uns freuen - so sehr, dass wir vor Freude Luftsprünge machen sollten. Übrigens: Diese Bedeutung hat das Wort Hoffnung eigentlich. Es kommt aus dem Mittelniederdeutschen, wo es "Hopen" heißt, was den gleichen Ursprung wie "hüpfen" hat.


Wir dürfen also hüpfen, aufgeregt herumzappeln - bei dem, was und  vor allem wer uns erwartet... Eine aufregende Zukunft liegt vor uns. Wir dürfen uns freuen. Und das sollte uns Kraft für die Gegenwart geben. Wenn wir - als Christen - unsere Schuld, Not und Zukunftsangst bei Gott abgeladen haben, dann haben wir den Rücken frei, um in einer Welt, die von Leid und Hoffnungslosigkeit gekennzeichnet ist, Hoffnungsträger zu sein.


Diese Welt braucht uns. Jeder von uns muss auf Hoffnungslosigkeit in dieser Welt gefasst sein und ihr begegnen. Vielleicht hast du mit dem Zug des Todes noch keine Erfahrungen gemacht. Und doch kennen wir alle Menschen, die ihre Hoffnung begraben haben. Und genau da sind wir gefragt, Hoffnungsträger zu sein. Wie können wir das tun? Unser heutiger Bibeltext gibt uns drei Gedankenanstöße. Er zeigt uns, wie der Hoffnungsträger schlechthin vorgegangen ist – Jesus.


Erstens:

Vers 13 „und als der Herr sah...“

Alles beginnt bekanntlich mit dem ersten Blick. Bewusst oder unbewusst entstehen sofort Bilder in unseren Köpfen, wenn wir einander begegnen. Das geschieht automatisch. Und sofort entstehen Urteile – manchmal auch Vorurteile: wie blond, blauäugig, naiv oder attraktiv, sympathisch oder unsympathisch... 

Aber – mit dem Zweiten sieht man ja bekanntlich besser. Der zweite Blick bewahrt uns davor, oberflächlich mit dem anderen umzugehen. Jesus hätte hinsehen und denken können: Was für ein klagender Haufen von Menschen. Und dann hätte er wieder wegsehen und seine Augen verschließen können. Aber er hat genau hingesehen. Er ist dem Leid nicht ausgewichen.

Wenn wir Menschen in Not ansehen, dann sollen sie unser Ansehen genießen, dann sollten wir sie mit Gottes Augen sehen. Jeder ist einmalig, gewollt, geliebt – unheimlich wertvoll. Deshalb haben sie unsere Beachtung, unsere Achtung verdient.

Es geht auch bei uns darum, die Augen vor der Not nicht zuzumachen. Wer braucht meine Beachtung? Wo wird geweint? Wer ist hoffnungslos? Wo ist der eine Mensch, der meine Hilfe braucht. Hier war es auch nur einer. Das heißt: Wir müssen nicht alle retten.


Zweitens:

Vers 14: „Und Jesus trat hinzu und berührte den Sarg...“

Jesus berührte den Sarg. Das war etwas Außergewöhnliches. Denn Juden berührten keine Toten, weil sie Angst davor hatten, sich zu verunreinigen. Aber Jesus hatte keine Berührungsangst. Seine Hände greifen in das Kraftfeld des Todes ein und beschlagnahmen auch diesen Toten. Wie viel Hemmungen, Berührungsängste haben wir oft bei leidenden Menschen?

Wenn wir uns auf die Not eines Menschen einlassen, dann fordert das Zeit, Kraft, Verständnis, Kreativität usw.. Vielleicht muss ich mich auf eine Beziehung einlassen. Das kostet etwas – oft auch Überwindung. Aber – eins ist sicher: Oft verliert man Berührungsängste, wenn man sich von dem Schicksal des anderen innerlich berühren lässt. Jesus war tief berührt von der Not dieser Frau. „Es jammerte ihn!“, heißt es. Sein Erbarmen bewegt etwas.


Drittens

Vers 14: „Und Jesus sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf!“

Jesus sagt nicht: Herzliches Beileid. Er greift ein, gibt dem Toten neues Leben. Sechs Worte reichen manchmal, um etwas zu verändern. 

Wir können kein neues Leben machen. Das kann nur der Schöpfer. Aber wir können auf ihn verweisen. Anstatt ein Klagelied anzustimmen und den Leidenden nur zu bedauern, können wir ihm Hoffnung machen, dass Gott das Leben will und neues Leben für uns bereithält, wenn wir ihm vertrauen. Das ist die neue Botschaft schlechthin: Jüngling, ich sage dir, steh auf – weil Jesus alles vorbereitet hat am Kreuz. Sein Tod schenkt uns neues, ewiges Leben. Und deshalb ist das die Einladung an die Menschen, die wir ihnen bringen dürfen: „Steh auf zu neuem, ewigem Leben mit Gott“. „Steh auf!“, können wir nur zu denjenigen sagen, die am Boden liegen, die ohne Hoffnung sind – niedergedrückt durch Angst, Schuld oder Trauer. Und dann können wir ihn auch die Hand zum Aufstehen reichen.

Wir dürfen Menschen ansehen, wobei sie unser Ansehen genießen. Wir dürfen uns innerlich von der Not berühren lassen und so Berührungsängste verlieren. Und wir dürfen einem Menschen beim Aufstehen helfen, d.h. ihnen die gute Nachricht von Jesus weitersagen. Das ist das Nein zur Ausweglosigkeit, das Nein zur Sprachlosigkeit, das Ja zum Leben. Das gibt Hoffnung. AMEN.