Angefeuert - Aufgefangen

In einem kleinen Häuschen wohnte ein Ehepaar mit seinem kleinen Sohn Luis. Die Familie ging sehr harmonisch miteinander um. Sie machten es sich gemütlich und nahmen alle Mahlzeiten zusammen ein - wenn es die Zeit erlaubte.
Es war eine Tradition geworden, dass die Mutter den Esstisch und das Wohnzimmer mit einem Blumenstrauß und Kerzen schmückte, während sie frühstückten oder zu Abend aßen.

Es war schon spät, als die Eltern Luis einmal zu Bett brachten. Sie lasen ihm noch eine Geschichte vor, bevor der Vater zu ihm sprach: „Mama und ich - wir wollen gleich einen kurzen Spaziergang machen. Es dauert auch nicht so lange, bis wir wieder da sind!“
„ … ist gut!“, sagte der Kleine schon im Halbschlaf.
Die Eltern warteten, bis ihr Sohn eingeschlafen war. Dann gingen sie los. Doch leider hatten sie vergessen, die Kerze auf dem Sideboard im Wohnzimmer auszupusten… Und so kam es, wie es kommen musste: Durch das geöffnete Fenster huschte ein Luftzug. Die Gardine wehte und riss die Kerze um. Im Nu stand das ganze Zimmer in Flammen, breitete sich auf dem Flur aus und erreichte die Küche. Als ein riesengroßes Bücherregal laut krachend in sich zusammenbrach, erwachte Luis, der im Obergeschoss lag. „Mama, Papa, wo seid ihr?“, rief er. Dann bekam er Angst. „Papa, Papa!“, schrie er ganz laut, während ihm der Rauch in die Nase stieg.
Plötzlich hörte er die Stimmen seiner Eltern. „Luis, kannst du uns hören?“
„Ja!“, antwortete er weinend.
„Kannst du auf den Balkon kommen?“, schrie der Papa voller Panik.  
Luis öffnete die schwere Tür und rief: „Papa, ich bin jetzt dort. 
„Klettere schnell auf die Brüstung und spring herunter! Ich stehe da und fange dich auf!“
„Das geht nicht! Ich sehe dich nicht!“
„Aber ich sehe dich! Spring, ich fange dich auf!“, ermutigte ihn der Vater.
„Ich habe Angst!“
„Spring! Du weißt doch: Du kannst dich immer auf mich verlassen! Komm’ in meine Arme!“
Auf einmal fasste Luis Mut! Er sprang und merkte wieder einmal, dass er - gut aufgehoben - in die starken Arme seines Vaters sinken konnte!

Lache - und die Welt lacht zurück

Wieder einmal war ich auf dem Weg zu einem Termin. Unterwegs lächelte mich fast jede Person an, die mir entgegenkam. Das war richtig auffällig. Irgendwann guckte ich an mir herunter. Ich fragte mich: „Habe ich heute irgendetwas an (mir), dass mein Umfeld zum Lachen bringt?“

Es beschäftigte mich so sehr, dass ich noch länger darüber nachdachte. Und mit einem Mal wurde mir alles klar:

Vor meiner Abfahrt hatte mich ein guter Freund angerufen. Er hatte mir - mitunter - etwas erzählt, dass mich total zum Lachen gebracht hatte. Der Inhalt hatte mich so beschäftigt, dass ich noch unterwegs in mich hinein schmunzelte. Oder … sollte ich vielmehr sagen: Es schmunzelte aus mir heraus?

Ganz unbewusst hatte ich also die Menschen um mich herum angelacht, sodass mir wieder das chinesische Sprichwort einfiel: „Lächeln ist die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen.“

Seitdem habe ich mir vorgenommen, den Menschen viel öfters ein Lächeln zu schenken, weil das eine Verbindung zwischen uns schafft - und sei sie noch so kurz(lebig)!

Reiflich durchlebt

Ich sitze auf dem Balkon meiner Nachbarin. Während wir plaudern, fällt mein Blick auf ihre Tomatenpflanzen und deren unreife Früchte. „Wenn ich jetzt eine davon essen würde, hätte ich nix davon!“, denke ich bei mir. „Sie ist hart und geschmacklos…“ Meine Nachbarin kann Gedanken lesen und packt mir zum Schluss drei dieser Exemplare ein - mit dem Nachsatz: „Die reifen noch nach…“

Zuhause lege ich „die Früchtchen“ auf die Fensterbank. Und - dabei wird mir klar, dass sie alles schon in sich tragen, um sich noch entwickeln zu können. Denn Reifen ist ein Prozess. 

Nun möchte ich uns Menschen ungern mit Tomaten vergleichen - aber wenn wir auf die Welt kommen, sind wir auch ziemlich „grün hinter den Ohren“. Es gehören Nahrung, Liebe, gute Beziehungen zu Eltern, Geschwistern, Lehrern dazu, um erwachsen zu werden. 

Unsere Nahrung finden wir in der Bibel. Durch sie vermittelt Gott uns, wie lieb er uns hat. Und auch das Gespräch mit ihm ist wichtig. Einerseits dürfen wir ihm anvertrauen, was uns auf dem Herzen liegt, und er kann uns anvertrauen, was ihm am Herzen liegt… Demgegenüber ist die Gemeinde ein Geschenk. Hier finden wir Vorbilder, die uns vieles vorleben und erklären. Und hier können wir, im sozialen Miteinander, immer mehr dazulernen. 

Wenn ich in diesen Dingen keine „treulose Tomate“ bin, erlange ich die „mittlere Reife“.

Doch wie jeder Heranwachsende dürfen auch wir Christen irgendwann selbständig werden. Wir können unser Leben in die Hand nehmen und Hand anlegen, wo wir gebraucht werden. Jesus betont: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt.“ (Johannes 15,16)

Wenn wir (für andere) aufstehen und im Reich Gottes und in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen, dann bringen wir „Früchtchen“ gute Früchte, was sich Gott wünscht! So sind wir der „vollen Reife“ nicht mehr fern!

Das Weite suchen

In Boltenhagen, wo ich einmal im Jahr eine Woche Urlaub mache, gibt es ein idyllisches Plätzchen, das ich besonders liebe. Dort kann ich mich - in meinem Rollstuhl - auf eine kleine Anhöhe stellen und trotzdem ganz nahe am Wasser sein. Ich genieße es, den Horizont zu sehen und die Wellen rauschen zu hören. Die Weite des Meeres zeigt mir jedes Mal, dass Gott noch weit mehr zu bieten hat, als nur meine alltäglichen Sorgen, K(r)ämpfe und Schmerzen. Hier kann ich aufatmen, durchatmen.

Kaum stehe ich an diesem Ort, da habe ich auch schon meinen Lieblingsbibelvers vor Augen: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum." (Psalm 31,9). Mir wird klar, wie frei ich in Gott sein darf. Denn der Vers zeigt bildlich: Nichts und niemand kann mir zu nahe treten. Über mir ist der Himmel, von dem aus Gott auf mich sieht. Und unter meinen Füßen beziehungsweise Rädern befindet sich fester Boden. 

Im Psalm 31 erzählt David von „Bedrängnissen der Seele". Er deutet auf Feinde hin, die ihm zu schaffen machen, die ihm die Luft zum Atmen rauben, die ihn in die Enge treiben.

Kennen wir das nicht auch? Manchmal wird es eng - für uns. Wie oft müssen wir uns einschränken!? Der eine hat keine Arbeit und damit finanzielle Schwierigkeiten. Einem anderen wächst die Arbeit über den Kopf. Er findet kaum Zeit für die Familie. So mancher unter uns ist schon älter und kommt täglich an die Grenzen seiner Kraft. Nicht selten sind wir selbst unser größter Feind, weil wir uns ablehnen oder uns von eigenen Ängsten behindern lassen…

Trotz aller Nöte ist der „weite Raum“ für den Psalmisten ein Zufluchtsort. Schließlich gibt er dem Allmächtigen Raum, indem er vertraut, dass er jede Woge glätten kann und dass es - am Ende - stets einen Silberstreif am Horizont gibt. König David entscheidet sich, an das Gute, an den Guten zu glauben. Und das macht sein Herz weit. 

Auch wir können das immer wieder erleben - gerade in „Bedrängnissen“. Und das hat Gott mir nicht nur in Boltenhagen gezeigt: Wenn wir Seine Nähe suchen, werden wir das Weite finden!



Ein Nussknacker sein 

Schon lange begleitet mich ein Spruch, den Johann Wolfgang von Goethe einmal gesagt haben soll: „Gott gab uns die Nüsse, doch er knackt sie nicht auf."
Das bedeutet für mich - mit anderen Worten: Gott vertraut uns etwas an, und er traut uns auch zu, dass wir damit handeln.
Das gilt für alle Bereiche, sodass man dieses Zitat beliebig verändern könnte:

„Gott gab uns ein Lied, doch singen dürfen wir selbst.“
„Gott gab uns einen Verstand, doch denken dürfen wir selbst.“
„Gott gab uns ein Herz, doch lieben dürfen wir selbst.“  
"Gott gab uns Beine, doch nachfolgen dürfen wir ihm selbst."
"Gott gab uns Hände, doch anpacken dürfen wir selbst." usw.

Am meisten freut sich unser Schöpfer, wenn wir die Gaben, die er uns gegeben hat, liebevoll an ihn zurückgeben.
Darum habe ich mich ganz persönlich für die Variante entschieden: „Gott gab mir die Buchstaben, aber schreiben darf ich selbst!“ Und das möchte ich tun, solange mein Atem reicht!

Das Ass im Ärmel

Komm, lass uns heute doch einmal mit offenen Karten spielen: Wie geht es Dir? Stehst Du gerade - mitten im Leben? Fühlst du dich aufgerichtet? Oder läuft im Moment alles schief, weil du dich für andere krumm gemacht hast? Womöglich drückt dich auch ein Problem nieder? Was für ein Blatt hast du augenblicklich auf der Hand?

In der Bibel gibt es eine Frau, die seit 18 Jahren krank ist. Sie hat wirklich die A-Karte, weil sie in sich verkrümmt ist und sich nicht mehr aufrichten kann. Tagtäglich muss sie zu Boden gucken. Sie sieht nicht mehr das Licht der Sonne, und ihr Bewegungszentrum ist auch eingeschränkt. Sie muss unter unerträglichen Schmerzen leiden. Vermutlich denkt sie in so mancher stillen Stunde, dass sie das Spiel des Lebens verloren hat.

Wenn wir ehrlich die Karten auf den Tisch legen, denken wir in schwierigen Situationen doch oft ähnlich, stimmt’s!? Niemand lässt sich zwar gern in die Karten schauen, aber wir glauben dann nicht mehr daran, dass sich das Blatt noch einmal wenden kann.

Für Dich und mich gibt es allerdings eine gute Nachricht: Wir haben ein Trumpf in der Hand. Die Frau in der Bibel (aus Lukas 13,10-17) hat ihn damals auch ausgespielt. Sie ist am Sabbat in die Synagoge gegangen, um von Gott zu hören. Und dabei ist sie Jesus Christus begegnet, der sie von ihrem Leiden erlöst hat. Von jetzt auf gleich werden ihre Karten also neu gemischt, sodass sie aufgerichtet in die Zukunft sehen kann.

Jesus Christus will auch Dein und mein Ass im Ärmel sein. Er ist der Kreuzbube, der uns durch seinen Tod neues Leben ermöglichen will, wenn wir ihm vertrauen. Und darum lädt er uns ein, dass wir zu ihm kommen, wenn wir viel zu hoch gepokert, wenn andere mit uns gespielt haben, wenn wir niedergedrückt oder in uns selbst verkrümmt sind. Wir dürfen alles auf eine Karte setzen. Jesus wird uns ermutigen, aufrichten, heilen. Wie die Heilung bei Dir im Einzelnen aussieht, steht auf einem anderen Blatt. Doch auf alle Fälle verspricht uns Jesus Christus, der Kreuzbube: neues Spiel, neues Glück! 



Indem wir wandeln, verwandeln wir uns 

Ich höre Gottes Ruf noch heute: „Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will…“ Gott forderte mich vor sechs Jahren  noch einmal auf, meine geistliche Heimat zu verlassen und Neuland zu betreten. Damals hatte ich Angst - vor dem Unbekannten, der Veränderung. Aber ich wagte es… Mein Glaube veränderte sich. Ich stellte mich anderen Herausforderungen. Mein Selbstvertrauen wuchs. Und langsam merkte ich, wie Gott mich segnete.

Nur indem wir wandeln, verwandeln wir uns! 

Der Mann, an den die oben erwähnte Aufforderung in der Bibel gerichtet wird, würde das bestimmt bestätigen. Ohne „Wenn und Aber“ verlässt er die alte Heimat. Und er erlebt Wunder über Wunder mit Gott - auf dem Weg. Sein Leben wird nicht furchtbar, sondern fruchtbar - nach Jahren. Er bekommt zum Beispiel zwei Söhne, wovon er in seinem hohen Alter nicht mehr zu träumen gewagt hätte. Und er selbst wird ein anderer Mensch: Abram, „der erhabene Vater“ entwickelt sich zu Abraham „dem Vater der Menge“. Gott kann durch ihn wirken, sein Versprechen wahrmachen: „Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.“ (1. Mose 12,2-3) 

Bestimmt war Abraham genau so glücklich wie ich, dem Ruf Gottes gefolgt zu sein… Wir durften -  durch Gottes BegLeitung - entdecken: Leben ist Veränderung und Veränderung ist Leben!